Helfen in Albanien

Helfen in Albanien

Die Renovierung einer Schule und der Neubau einer Ambulanzstation in Albanien – wir hatten uns ein grosses Hilfsprojekt ausgedacht. Doch nach viel Arbeit und Zeit, die wir während eines Jahres in die Umsetzung gesteckt hatten, waren Neugierde und Vorfreude riesig, das Resultat in den Herbstferien persönlich zu besuchen.

Priyanka Safft

Begleitet von drei Erwachsenen flog ich mit fünf weiteren Jugendlichen zu Beginn der Herbstferien in eines der ärmsten Länder Europas. Wir sind alle Mitglieder des Juniorenteams von «International Project Aid (IPA)». Seit 2001 realisiert diese Schweizer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit jährlich ein Projekt mit Gymnasiastinnen und Gymnasiasten.

Von der Hauptstadt ging es mit dem Minibus direkt weiter, sechs Stunden durch die holprigen Strassen in den Bergen Albaniens in den Norden, nach Peshkopi. Berge, aber andere Berge. Flüsse, aber andere Flüsse. Wir waren begeistert von der fremden Natur dieses nur zwei Flugstunden entfernten Landes.

Neugierde und Vorfreude

Erwartungsfroh fuhren wir vor die farbig bemalte, frisch renovierte Schule in Luzni. Wir kontrollierten nicht nur alle zehn Teilprojekte, die wir organisatorisch begleitet hatten, sondern besuchten auch jede Schulklasse. „Faleminderit, IPA“ stand an Wandtafeln (albanisch für danke), „Thank you, IPA“ auf Plakaten. Auch Blumen, Reden, Umarmungen und besonders die Freude in den Gesichtern der Lernenden und Lehrpersonen machten es zu einem wunderschönen Empfang.

Beim späteren Besuch zur Besprechung des Neubaus der Ambulanzstation lachte uns die Krankenschwester mit grosser Dankbarkeit an. Sie war glücklich, endlich einen Ort zur Behandlung ihrer Patienten zu haben.

Es hatte sich gelohnt: Um diese prekäre Situation zu verbessern, hatten wir über längere Zeit zwei Stunden wöchentlich investiert. Wir wurden eingeführt ins Projektmanagement, hatten gelernt, wie man aus einem Kostenvoranschlag ein Budget erstellt und trafen uns mit der Teamleiterin alle 14 Tage, um die nächsten Arbeiten zu besprechen.

Fussball vor dem Regen

Am Mittwoch besuchten wir potenzielle neue Projekte für das nächste Juniorenteam. Wasserschäden an der Wand wurden durch einen Anstrich überdeckt, um so Probleme zu verdecken. Wandplakate wurden selbst gemacht. Man arbeitete mit den Möglichkeiten, die man vor Ort hatte, die aber nicht immer ausreichend waren.

Als wir das dritte Schulhaus besuchten, trafen wir auf junge Primarschülerinnen, die den Schulboden mit Wasser putzten. Das Wasser floss unaufhörlich aus einem Gefäss in den Toiletten. So sollte der unerträgliche Gestank, aufgrund der nicht funktionierenden Toilettenspülen, gelindert werden… jedoch half das kaum. Es erstaunte uns, dass man den Schülern die harten Umstände, in denen sie lernen mussten, nicht anmerkte. Für sie waren die Bedingungen an ihrer Schule Normalität. So führten sie uns interessiert durch ihr Schulhaus. Im Anschluss spielten sie eine Partie Fussball mit uns, bis dunkelgraue Wolken am Himmel signalisierten, dass sie sich auf ihren langen Weg nach Hause machen mussten, um einigermassen trocken dort anzukommen.

Der Abschied fällt schwer

Herz, Sonne, Stern. Mit weisser Kreide versuchten wir einfache Symbole auf die neue Wandtafel einer zuvor von der IPA-Organisation renovierten Schule zu zeichnen, die wir am Donnerstag, dem letzten Tag unserer Reise, besuchten. Engagiert versuchten die Primarschüler, uns das albanische Wort für die Zeichnungen zu nennen. Sie teilten ihre Snacks und stellten uns ein kleines Bänkchen vor einen warmen Heizofen, damit wir uns setzen konnten. Obwohl wir nicht Albanisch sprachen und ihr Englischwortschatz begrenzt war, funktionierte die Kommunikation. Bei einer Unterrichtslektion durften wir sogar mitmachen.

Wir hatten sie gerade eben kennengelernt und doch fiel uns der Abschied so schwer. „Nächstes Jahr kommen wir zurück und schauen uns alle Projekte nochmals an!“, versprachen wir. Wir wollten diese tollen Erfahrungen und Menschen nicht verlieren.

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